Willkommen bei der Florian Geyer Festspielgemeinschaft. Wir schreiben 2022 anno Domini. Heuer ist alles anders 🙂

Ein liederträchtiges Historical

Nachgefragt: Unser Regisseur Renier Baaken spricht über das neue Stück auf der Geyer-Bühne Zobels Zoff

24. Mai 2022 | Allgemein

Zobels Zoff? Die Premiere auf der Geyer Bühne findet im Juli 2022 statt und auch nur einmalig in diesem Jahr an insgesamt sechs Abenden. Wir haben unseren lieben Regisseur Renier Baaken gefragt, was das die Zuschauer erwartet, ob dieses Jahr auf der Geyer-Bühne wirklich alles anders ist und warum es sich 2022 besonders lohnt mit dabei zu sein.

Red.: Renier Baaken, Zobels Zoff hat faktisch nichts zu tun hat mit den klassischen Interpretationen rund um den Bauernkrieg und Florian Geyer. Warum ein komplett neues Stück?
Baaken: Das war eine ursprünglich für 2020 für das Gemeindejubiläum geplante Sonderproduktion, die durch Corona verschoben werden musste, und jetzt ein bisschen in der Luft hängt, weil das Jubiläum offiziell auf 2025 verschoben wurde, wir aber 2019 mit den Vorbereitungen und grossen Investitionen für Zobels Zoff schon angefangen hatten. Und nun muss es eben sein…

Red.: Die Zobel sind neben den Geyer die zweite historisch nachhaltig in Erscheinung getretene Familie Giebelstadts. Warum war es Ihnen wichtig, heuer dieses zweite Adelsgeschlecht zu involvieren?
Baaken: Die Antwort ist ein grosses Nöööööö. Ich wollte weg vom Geyer, aber von der Story her wegen des Jubiläums in Giebelstadt bleiben und da bot sich Zobel einfach als Aufhänger an, das Stück hat aber auch rein gar nichts mit dessen Historie zu tun. Und auch die Zeit, in der es spielt, ist ein absolut fiktives Mittelalter…

Red.: Wir sehen heuer eine Premiere und zudem einzigartig auf der Geyerbühne im Juli 2022. Sogar die Bühne wurde komplett gepflastert. Warum dieser immense Aufwand heuer?
Baaken: Der wichtigste Grund: Zobels Zoff ist ein fetziges Stück mit jeder Menge speziell dafür geschriebener Songs, und die brauchen entsprechende Choreografien, und im knöchelhohen Sand lässt es sich nun mal schlecht hüpfen. Da braucht es einen ebenen Boden und (nebenbei) komplett neue Kostüme, erweiterte Lichttechnik, und und und . Insgesamt eben ein immenser Aufwand…

Red.: Sie arbeiten fast ausschließlich mit ambitionierten Laiendarstellern, ein Wagnis oder Chance für ein Stück dieses Formates?
Baaken: Jedes Wagnis ist auch eine Chance, und professionelle Theaterarbeit lässt sich auch mit Amateuren machen, nur eben anders als mit Profis, mit viel mehr genauen Vorgaben. Da zählt unter anderem auch der Enthusiasmus der Beteiligten und für mich bedeutet es, zur Hälfte Regisseur und zur Hälfte Animateur zu sein. Und für die Darsteller ist es eine Herausforderung, mal völlig andere Rollen zu übernehmen …

Red.: Sie hatten Ihr Storyboard sicher in Grundzügen im Kopf: Hat beim Schreiben dennoch eine Figur ein Eigenleben entwickelt?
Baaken: Hach, das tun Figuren immer, manchmal erschreckend intensiv. Und man stellt als Autor fest, dass sich in den vielen schrägen Comedy-Situationen im Stück manches anders entwickelt als im Entwicklungsstadium vorher gedacht. Völlig normal…

Red.: In 2022 gibt es weder Pferde noch klirrende Schwerter oder Kanonenfeuer? Wird das ein von professioneller Pyrotechnik und harter Action verwöhntes Publikum enttäuschen?
Baaken: Keine Ahnung. Na klar, wer speziell blutige Geyer-Abenteuer sehen will, ist in diesem Jahr bei uns falsch…wir hoffen also auf ein vergnügungssüchtiges Publikum, das bei Zobels Zoff von herzen amüsieren will und kann …

Red.: Man munkelt, dass es bei Zobels Zoff ziemlich frivol zugeht. Müssen die Zuschauer volljährig sein aus Ihrer Sicht?
Baaken: Och neeee, die turbulente Action ist für Zuschauer ab sagen wir 14 genauso geeignet, aber seien wir ehrlich: Die Welt dreht sich um Intrigen und Sex schon seit jeher, warum also nicht auch in einer Screwball-Comedy wie Zobels Zoff?

Red.: Eine Frage zur Konsistenz der Festspiel-Gemeinschaft: Wie schaffen Sie es in Giebelstadt Jahr für Jahr und immer wieder so viele ambitionierte Laiendarsteller zu motivieren?
Baaken: Mmmmmhhhh, leider nicht so viele, wie eine solch immens große Bühne verkraften könnte. Für Zobels Zoff hat es so gerade noch so gereicht, aber für die Geyer Stücke sieht der Verein erhebliche Probleme auf sich zukommen, weil es an der Statisterie mangelt. Zeichen der Zeit, denke ich, man will sich nicht mehr für eine ganze Probenzeit festlegen und es gibt viele andere Freizeit Angebote, die vielleicht kurzfristig interessanter sind.

Red.: Können eigentlich heuer auch Kurzentschlossene noch Statistenrollen ergattern?
Baaken: Leider in diesem speziellen Fall nein, denn alle Darsteller (ob grosse oder kleine Rollen) sind in die Choreografien eingebunden, und dazu braucht es Proben…

Renier, herzlichen Dank für das Gespräch.